MUDIL – Musikalisches Distance Learning:

Erfahrungen, Auswirkungen, Perspektiven

Kooperatives Forschungsprojekt der mdw 2020/21

Dr. Michaela Hahn, Dr. Wilfried Aigner,
Institut für musikpädagogische Forschung, Musikdidaktik und Elementares Musizieren (IMP)

Dr. Michael Huber, Institut für Musiksoziologie (IMS)


PROBLEMSTELLUNG

Die musikalische Bildung in Österreich ist seit Mitte März 2020 unmittelbar und gravierend von der Krise um die Verbreitung von Covid-19 betroffen, was den schulischen Musikunterricht ebenso betrifft wie den Musikschulunterricht.

Musikschulen

Für rund 200.000 Musikschüler*innen in ganz Österreich wurde der Präsenzbetrieb zwischen Mitte März und Mitte Mai eingestellt und fast ausnahmslos auf Distance Learning umgestellt. Die Konferenz der Musikschulwerke Österreichs (KOMU) veröffentlichte auf ihrer Website österreichweite good practice-Modelle und erarbeitete einen Leitfaden für die Wiederaufnahme für Einzel- und Kleingruppenunterricht ab Mitte Mai 2020. Nach wie vor können das gemeinsame Musizieren, die musikalische Praxis, Kooperationen mit Schulen, Vereinen u.a. nicht umgesetzt werden, wodurch die Ausbildung an Musikschulen nachhaltig beeinflusst wird.

Schulen

Auch im Regelschulbereich der Sekundarstufe I und II wurde der Musikunterricht per Mitte März 2020 auf Distance Learning umgestellt. Nachdem das Fach Musikerziehung laut ministerieller Verordnung vom 24.4. 2020 zunächst vollkommen ausgesetzt werden sollte, konnte erst nach zahlreichen Bestrebungen unterschiedlichster Interessenvertretungen, Fachverbände sowie Fachgutachten seitens der mdw der Musikunterricht wieder in den seit Mitte Mai laufenden Präsenzbetrieb an Schulen aufgenommen werden. Zentrale Aktivitäten wie das Singen im Klassenverband wurden zunächst untersagt, im Zuge der Lockerungen der Covid-19 Bestimmungen an Schulen per 30.5.2020 dann jedoch wieder als zulässig erklärt.

Insgesamt zeigt sich also, dass die Auswirkungen der COVID-9-Krise gerade im Bereich der musikalische Bildung im schulischen und musikschulischen Sektor von sehr dynamischen Entwicklungen und erheblichen Umbrüchen des musikpädagogischen Regelbetriebs geprägt waren und sind. Eine vertiefende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesen Entwicklungen und Umbrüchen sowie den damit verbundenen Risiken und Chancen – in unmittelbarer wie auch in längerfristiger Perspektive – erscheint daher dringend notwendig.

 

STUDIE / ZIELE

Die kooperative Studie richtet sich an Musikschullehrende sowie an Musikerzieher*innen an Schulen der Sekundarstufe, und wird durch das Institut für musikpädagogische Forschung, Musikdidaktik und elementares Musizieren und das Institut für Musiksoziologie der mdw umgesetzt.

Erfahrungen mit musikalischem Distance Learning sollen in ganz Österreich und Südtirol empirisch erhoben werden. Die zentrale Fragestellung dabei lautet: “Was genau funktioniert für wen wie gut?”. Darauf aufbauend sollen Rahmenbedingungen und methodische Zugänge im Sinne einer möglichen Weiterentwicklung der pädagogisch-didaktischen Konzepte des musikalischen Lernens analysiert werden. Ziel der Studie ist die Entwicklung von Handlungsfeldern, in denen das analoge musikalische Lernen durch digitale Lernprozesse sinnvoll und zukunftsorientiert ergänzt werden kann und gleichzeitig erkennbare Grenzen und Herausforderungen aufgezeigt und definiert werden können – und dies mit durchaus längerfristigen Perspektiven.    

Themenfelder:    

  1. Technische und rechtliche Rahmenbedingungen, speziell auf die musikalische Bildung bezogen (Hardware, Software, Tools & Apps, Datenschutz, Usability)

  2. Pädagogische Entwicklung – Unterricht & Lernen – Chancen und Risiken (Unterrichtsformen, Üben/Hausaufgaben, mediale Projektarbeit, Veränderung von Lernprozessen…)

  3. Zukunft – Chancen und Risiken (Perspektiven, Blended Learning – das Beste beider Welten, Aus- und Weiterbildung…)

Nach einer österreichweiten quantitativen Befragung im Sommer 2020 (online Fragebogen, aktiv bis 31.7.2020) sind vertiefende Fokusgruppen (jeweils Schullehrende bzw. Musikschullehrende) geplant. Neben einer möglichen Schüler*innen- bzw. Elternbefragung ist auch eine erneute Erhebung nach einem Jahr vorgesehen, um Erkenntnisse über die Entwicklungen innerhalb dieses Zeitraums zu gewinnen und der Frage nachzugehen, welche längerfristigen Veränderungsprozesse erkennbar sind.

Kontakt für Rückfragen: Wilfried Aigner (aigner-w@mdw.ac.at) , Michaela Hahn (hahn-m@mdw.ac.at)